Sodbrennen bei Problemessern und in Familienclans

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26. August 2018
Lesedauer: ca. 11 Minuten

Zu viel, zu schnell, zu häufig – manche Menschen neigen aufgrund Ihrer ungünstigen Essgewohnheiten häufig zu Sodbrennen. Diese Typen nennt man auch Problemesser. Zusätzlich können auch die Gene Sodbrennen begünstigen. Deshalb tritt Sodbrennen in einigen Familien gehäuft auf. Erfahren Sie hier, welche Personen zu den Problemessern zählen und welche genetischen Risikofaktoren für Sodbrennen es gibt.

Was ist ein Problemesser?

Ein Problemesser ist, wer durch sein Essverhalten von der gesunden Norm abweicht. Darunter fallen Menschen, die

  • einfach alles essen,
  • viel zu schnell essen oder
  • ständig essen.

Dabei wird das Fundament für ein fehlerhaftes Essverhalten häufig in der Kindheit gelegt. Denn eine unzureichende Auseinandersetzung mit dem Thema Ernährung kann dazu führen, dass man seine Ernährungsgewohnheiten niemals hinterfragt. Dann liegt eine Fehlernährung vor, derer man sich nicht einmal bewusst ist. Demgegenüber stehen Personen, die sich sehr wohl über ihr ungesundes Essverhalten im Klaren sind. Nichtsdestotrotz bedenken sie nicht, welche Konsequenzen und Gefahren durch die Fehlernährung drohen. Und wiederum anderen ist eine gesunde Kost zu aufwändig.

In jungen Jahren verzeiht einem der Magen noch vieles

In jungen Jahren konnte man noch alles essen. Am Sonntagabend auf der Couch noch eine Tüte Chips knabbern? Kein Problem! Nach einer feuchtfröhlichen Nacht um 4 Uhr morgens noch schnell einen Döner futtern und dann ausschlafen? Kein Problem!

Doch irgendwann rächt sich der Magen. Denn mit dem Alter verändert sich der Körper. Die Muskulatur lässt generell nach. Und somit kann auch der zwischen Speiseröhre und Magen gelegene Schließmuskel die beiden Organe nicht mehr gut voneinander trennen. Bei größeren Belastungen, zum Beispiel durch üppige Mahlzeiten oder Liegen auf vollem Bauch, kann er nicht mehr richtig schließen. Der Mageninhalt wird dann nach oben gedrückt und gelangt in die Speiseröhre. Die Folge ist ein unangenehmes Brennen in der Speiseröhre oder hinter dem Brustbein.

Zu den weiteren Symptomen zählen mitunter

Auch Schluckbeschwerden, Husten, Übelkeit und Brechreiz können Anzeichen von Sodbrennen sein.

Der fatalistische Esser: „Ich krieg eh Sodbrennen, also muss ich nicht verzichten“

Einige Menschen denken fälschlicherweise, dass sie grundsätzlich Sodbrennen bekommen. Und zwar unabhängig davon, was sie verspeisen. Daher achten sie auch nicht darauf, ob sie vermehrt Sodbrennen-fördernde Lebensmittel verzehren.  Zählen Sie zu dieser Gruppe der fatalistischen Esser, die gefühlt nach jeder Mahlzeit unter Sodbrennen leiden? Dann nehmen Sie Ihre Essgewohnheiten doch einmal genau unter die Lupe. Denn

  • der Kaffee auf nüchternen Magen,
  • die Naschereien zwischendurch und
  • das fettreiche üppige Abendessen – extra scharf gewürzt –

können ganz schön auf den Magen schlagen. Versuchen Sie deshalb, auf solche Essverhalten und Lebensmittel gezielt zu verzichten. Es könnte sich lohnen und sie von Ihren Beschwerden befreien. Dazu ist es ratsam, ein Sodbrennen-Tagebuch zu führen. Hiermit können Sie herausfinden, was wirklich hinter Ihren Beschwerden steckt. Denn in der Regel gibt es einige individuell unterschiedliche Auslöser für Sodbrennen. Haben Sie diese identifiziert, können Sie sie gezielt meiden.
In der folgenden Tabelle erhalten Sie einen Überblick darüber, welche Lebensmittel häufig Sodbrennen auslösen und welche zumeist unbedenklich sind.

Bedenkliche und unbedenkliche Lebensmittel

Kategorie Lösen kaum Sodbrennen aus Lösen oft Sodbrennen aus
Getreide, Brot fein geschrotetes Vollkornbrot
Porridge
Vollkornbrötchen
Vollkorn-Knäckebrot
Zwieback
Laugengebäck
sehr frisches Brot
sehr grobes Vollkornbrot
Toastbrot
Weißbrot
Beilagen Hartweizennudeln
Kartoffelbrei
Kartoffeln
Vollkornnudeln
Vollkornreis
Kartoffelpuffer
Kartoffelsalat mit Mayonnaise
Kroketten
Pommes frites
Süßes und
Snacks
individuell verschieden Chips
Speiseeis
fette und süße Backwaren
Flips
Kräcker und Salzgebäck
süße Molkereiprodukte
Süßigkeiten
Obst säurearmes Obst
Apfel (Jonagold, Golden Delicious)
Aprikose
Banane
Birne
Honigmelone
Pflaume
Pfirsich
Wassermelone
Weintraube
säurereiches Obst
Ananas
Grapefruit
Kiwi
Mandarine
Nektarine
Orange
Sauerkirschen
Zitrone
Gemüse Blumenkohl
Brokkoli
Erbsen, Linsen
Fenchel
Gurke
Kohlrabi
Möhre
Rote Bete
Salat
Spargel
Spinat
Zucchini
Knoblauch
Kohlgemüse/-salat
Lauch
Meerrettich
Paprika
pikanter Gurkensalat
Pilze
Rotkraut
Sauerkraut
Zwiebel
Nüsse individuell unterschiedlich gesalzene Nüsse
Getränke stilles Wasser
ungesüßter Tee
Alkohol
Kaffee
Kakao
kohlesäurehaltige Getränke
sehr heiß
sehr kalt
Softdrinks
Fisch und
Fleisch
Forelle
Kabeljau
Garnelen
Putenbrustaufschnitt
Putenfleisch
Hühnerfleisch
Fleischkäse
Leberwurst
Räucherspeck
frittiertes Fleisch
Fisch mit Mayonnaise
Aal
Hering
Eier und
Milchprodukte
Ei
fettarme Milch
fettarmer Naturjogurt
Weichkäse
Feta
Frischkäse
Milch mit 3,5% Fettgehalt
Sahnequark
Schnittkäse
Mozzarella
gesüßter Milchreis
Fruchtjogurt

Es ist grundsätzlich sinnvoll, Sodbrennen-fördernde Lebensmittel nur in Maßen zu konsumieren. Unter dem Strich gilt jedoch: Einige Speisen können bei manchen Menschen gelegentlich Sodbrennen auslösen. Es gibt jedoch auch Speisen, auf die einige Menschen immer mit Sodbrennen reagieren. Allerdings verursacht keine Speise grundsätzlich bei allen Personen immer Sodbrennen. Die Ursache für Sodbrennen ist demnach individuell sehr unterschiedlich.

Der schnelle Esser: wenn keine Zeit zum Essen bleibt

Nach dem Meeting ist vor dem Meeting? Für ein in Ruhe genossenes Mittagessen bleibt bei einem eng getakteten Tagesablauf selten die Zeit. Also wird schnell etwas beim Bäcker gekauft und hastig verzehrt, denn der nächste Termin steht an. Das schnelle Essen bringt jedoch so einige Nachteile mit sich. Einer davon ist das Sodbrennen. Denn wer hastig isst, schluckt viel Luft. Vermehrtes Aufstoßen ist dann vorprogrammiert. Die Luft ist nämlich im Magen nicht willkommen und soll möglichst bald wieder ausgeschieden werden. Dafür öffnet sich der Schließmuskel, welcher den Magen zur Speiseröhre hin verschließt. Die Luft aus dem Magen kann nun entweichen. Allerdings kann gleichzeitig auch saurer Mageninhalt in die Speiseröhre aufsteigen (Reflux) und diese reizen. Die meisten Menschen nehmen die Reizung als Sodbrennen wahr.

Der Immer-Esser: rund um die Uhr, keine Gelegenheit auslassend

Hier ein Häppchen und da ein Häppchen. Noch eben vor dem Sport etwas essen, damit der Hunger danach nicht so groß ist? Keine gute Idee. Denn wer mit vollem Magen Sport treibt, leidet viel häufiger an Sodbrennen. Das liegt daran, dass der Druck auf den Magen durch die angespannten Bauchmuskeln oder einen vorgebeugten Oberkörper immens ansteigt. Wird der Magen beim Springen oder Laufen auch noch kräftig durchgeschüttelt, steigt das Risiko von Sodbrennen noch weiter an. Denn irgendwann kann der zwischen Magen und Speiseröhre gelegene Schließmuskel nicht mehr dichthalten. Dann kann saurer Mageninhalt in die Speiseröhre aufsteigen. Auch vor dem Schlafengehen bzw. generell vor dem Hinlegen sollte nicht mehr gegessen werden. Die horizontale Liegeposition fördert nämlich den Reflux. So wird der kleine Snack vor dem Zubettgehen schnell zum schmerzhaften „Wachhalter“. An erholsamen Schlaf ist dann nicht mehr zu denken.

Wichtig für Sie

In jungen Jahren steckt Ihr Körper einiges weg. Doch wer seine Ernährungsgewohnheiten nicht den natürlichen und altersbedingten, körperlichen Veränderungen anpasst, kann schnell unter Sodbrennen leiden. Außerdem gelten Menschen, die fatalistisch-, sehr schnell- oder permanent essen
als Problemesser. Diese Personengruppe leidet aufgrund ihres ungesunden Essverhaltens besonders häufig unter Sodbrennen.

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Es bleibt in der Familie: Sodbrennen-Clans

In Ihrer Familie ist Sodbrennen ein großes Thema? Bei Familienfeiern können Sie darauf wetten, dass mindestens die Hälfte der Personen über Sodbrennen klagt? In diesem Fall können erbliche Ursachen zugrunde liegen. Denn die Gene haben ebenfalls Einfluss auf die Entstehung von Sodbrennen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Sodbrennen in einigen Familien gehäuft und in anderen nur vereinzelt vorkommt. Eine gewisse genetische Ausprägung kann nämlich die Wahrscheinlichkeit von Sodbrennen erhöhen.

Zum Beispiel, wenn die Gene

  • das Risiko gewisser chronischer Krankheiten erhöhen oder
  • bestimmte Eigenschaften der Organe prägen sowie
  • einen apfelförmigen Körpertyp festlegen.

Denn chronische Krankheiten, wie beispielsweise Diabetes mellitus, gehen oft mit Sodbrennen einher. Außerdem ist die Veranlagung zu Diabetes mellitus erblich. Demnach ist es möglich, dass in Familien mit vielen Diabetikern auch Sodbrennen häufiger vorkommt. Die Eigenschaften der Organe werden ebenfalls über unsere Gene festgelegt. Hierbei kann unter anderem ein generell schlafferer Speiseröhrenschließmuskel an die Nachkommen vererbt werden. Dies hat zur Folge, dass der Schließmuskel der Betroffenen nicht richtig funktioniert. Daher kann bei diesen Menschen saurer Mageninhalt einfacher in die Speiseröhre aufsteigen und Sodbrennen auslösen.

Äpfel nicht mit Birnen vergleichen: der Körpertyp und Sodbrennen

Der Körpertyp spielt eine große Rolle bei der Entstehung von Sodbrennen. Denn je mehr Fett um den Bauch verteilt ist, desto mehr Gewicht drückt auf den Magen und die Speiseröhre. Wenn diese dem Druck nicht mehr standhalten, kann Sodbrennen häufiger auftreten. Dies ist beim sogenannten Apfeltyp der Fall. Im Gegensatz dazu speichert der Birnentyp das Fett hauptsächlich an Beinen und Po. Dieses Fett drückt in der Regel nicht auf den Magen.

Ob Sie ein Apfel- oder eher ein Birnentyp sind, können Sie mit einer einfachen Formel berechnen, der WHR-Formel (engl. Waist-to-hip ratio). Dabei wird das Verhältnis von Taille zu Hüfte gebildet, indem der Taillenumfang in cm durch den Hüftumfang in cm dividiert wird. Ab einem Wert von 0,85 bei Frauen und 1 bei Männern spricht man vom Apfeltyp – der ungünstigeren Form. Unterhalb dieser Werte sind Sie jedoch ein Birnentyp. Die gute Nachricht: Beim Apfeltyp senkt eine kleine Reduktion des Bauchumfangs das Gesundheitsrisiko deutlich.

Wichtig für Sie

Sodbrennen kann erblich bedingt sein. Denn Gene, welche die Veranlagungen zu bestimmten chronischen Krankheiten, Organeigenschaften oder einem apfelförmigen Körpertyp festlegen, beeinflussen damit auch das Risiko für die Entstehung von Sodbrennen.

Das eigene Risiko für Sodbrennen abschätzen lernen

Sie möchten abschätzen, wie hoch Ihr persönliches Sodbrennen-Risiko ist? Dazu sollten Sie verschiedene Risikofaktoren in Ihre Überlegungen mit einbeziehen. Manche dieser Faktoren können Sie selber aktiv beeinflussen. Darunter fallen

  • Übergewicht,
  • Stress
  • der Verzehr von Sodbrennen-fördernden Lebensmitteln sowie
  • die Essgewohnheiten.

So können beispielsweise Übergewichtige das Risiko also aktiv senken, wenn Sie überschüssige Kilos purzeln lassen. Ebenso wirksam ist die Reduktion des Stresslevels bei permanent gestressten Personen. Denn wer weniger unter Stress leidet, bekommt auch seltener Sodbrennen. Sie konsumieren häufig Lebensmittel, die potentiell Sodbrennen auslösen können? Ein gezielter Verzicht darauf kann sich auszahlen. Und auch Ihre Essgewohnheiten sollten Sie überdenken, wenn Sie zur Gruppe der Problemesser zählen.

Andere Risikofaktoren, die Sie nicht beeinflussen können und daher hinnehmen müssen, sind

  • die genetische Veranlagung,
  • Gewichtszunahme im Fall einer Schwangerschaft und
  • gegebenenfalls Nebenwirkungen von Medikamenten.

Ihre genetische Veranlagung und das damit möglicherweise verbundene Sodbrennen-Risiko können Sie nicht ändern. Und auch der wachsende Bauch und eine deutliche Gewichtszunahme bei Schwangeren ist eine natürliche und unabänderliche Sache. Dabei drückt das heranwachsende Kind ebenso wie die überschüssigen Kilos auf den Bauch und die inneren Organe. Dies erklärt auch, warum das Risiko für Sodbrennen in der Schwangerschaft steigt.

Ebenso wirken bestimmte Medikamente Sodbrennen fördernd, z. B. Herz-Kreislauf-Mittel. Denn diese senken generell die Muskelspannung. Dabei kann auch der Speiseröhrenschließmuskel erschlaffen, was Sodbrennen begünstigt. Da insbesondere ältere Menschen vermehrt Medikamente einnehmen, sind sie von Sodbrennen besonders oft betroffen.

Wenn Sie alle Risiken bedacht haben, vergessen Sie jedoch eines nicht: Jeder Mensch ist einzigartig und reagiert ganz individuell. Deshalb müssen Sie selbst dann nicht unbedingt an Sodbrennen leiden, wenn viele Risikofaktoren auf Sie zutreffen. Denn was bei dem einen sofort zu Beschwerden führt, macht manch anderem überhaupt nichts aus. Wichtig ist daher, die persönlichen Sodbrennen-Auslöser herauszufinden und zu meiden.

Wichtig für Sie

Wer sein persönliches Sodbrennen-Risiko abschätzen möchte, sollte dafür bestimmte Risikofaktoren berücksichtigen. Einige davon können wir selber beeinflussen und unser Sodbrennen-Risiko eigeninitiativ senken. Manche Bedingungen müssen wir jedoch als gegeben akzeptieren. Doch keine Sorge. Auch wenn viele Risikofaktoren auf Sie zutreffen, müssen Sie nicht zwangsläufig Sodbrennen entwickeln. Denn jeder Mensch ist einzigartig und reagiert individuell auf die verschiedenen Auslöser. Auch wenn einige Auslöser bei sehr vielen Menschen zu Beschwerden führen, muss das bei Ihnen nicht der Fall sein.

Sodbrennen kennt viele Ursachen. Allerdings sind bestimmte Personengruppen besonders häufig von den Beschwerden betroffen. Beispielsweise sogenannte Problemesser, die entweder wahllos alles, sehr schnell oder permanent essen. Denn der unkontrollierte Verzehr potentiell Sodbrennen-auslösender Lebensmittel, das hastige Herunterschlingen sowie das Essen vor dem Sport oder dem Zubettgehen steigern das Risiko, Sodbrennen zu entwickeln. Ein Überdenken und Verändern der eigenen Gewohnheiten kann dann sehr sinnvoll sein. Um das individuelle Risiko für die Entwicklung von Sodbrennen abzuschätzen, sollten bestimmte Risikofaktoren berücksichtigt werden. Einige davon kann man selber beeinflussen, andere hingegen nicht. Aber selbst, wenn viele ungünstige Bedingungen auf Sie zutreffen, müssen Sie keineswegs zwangsläufig Sodbrennen bekommen. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf die verschiedenen potentiellen Auslöser.

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AutorMedhacon, Medical Writer
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Medical AdvisorDR. KADE, Leiterin Medical Affairs