Sodbrennen durch Übergewicht?

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18. Mai 2018
Lesedauer: ca. 9 Minuten

Keine Sorge: Überflüssige Pfunde und Übergewicht führen nicht unweigerlich zu Sodbrennen. Denn Sodbrennen hat viele Ursachen. Allerdings zählt Übergewicht zu den Risikofaktoren, Sodbrennen zu entwickeln. Insbesondere Menschen mit dem sprichwörtlichen „Rettungsring“ um den Bauch sind dabei besonders gefährdet. Warum ist das so? Und sind nun Abnehmen und eine Diät angesagt?

Warum verursacht Übergewicht Sodbrennen?

Die Ursache: Ähnlich wie bei Schwangeren drückt zusätzliches Gewicht auf den Bauchraum. Besonders der Magen ist davon betroffen. Ist der Druck auf den Magen durch das Übergewicht sehr hoch, überträgt er sich auf den Schließmuskel Richtung Speiseröhre. Dieser ist zwar ein starker Muskel, aber er kann dem dauerhaften Druck nicht immer standhalten. Dann öffnet er sich ungewollt. Eigentlich sollte dies nicht geschehen. Denn nur bei Bedarf soll der Muskel die Verbindung zum Magen öffnen, um zerkauten Nahrungsbrei aus der Speiseröhre in den Magen fließen zu lassen.

Die Folge: Öffnet sich der Schließmuskel ungewollt, werden Mageninhalt und Magensäure in die Speiseröhre zurückgedrückt. Da die Magensäure aggressiv ist, greift sie nun die Schleimhaut der Speiseröhre an – Sodbrennen entsteht. Geschieht dies dauerhaft, entstehen dadurch Schäden und Entzündungen in der Speiseröhre. In diesem Fall spricht man dann von einer Refluxösophagitis.

Sonderfall Binge-Eating: Bei Personen, die in sehr kurzer Zeit sehr viel Nahrung aufnehmen, kommt es häufig zu einer Überdehnung des Schließmuskels zur Speiseröhre. Dieses Phänomen, das häufig mit Übergewicht einhergeht, nennt man Binge-Eating. Dieser englische Begriff bedeutet so viel wie „Fress-Orgie“. Durch die sehr großen Nahrungsmengen „leiert“ der Muskel aus. Dadurch schließt er nicht mehr richtig. In diesem Fall tritt Sodbrennen und Völlegefühl auch bei leerem Magen ohne Essen auf.

Wichtig für Sie

Übergewicht kann auf den Magen drücken. Manchmal schließt dann der Schließmuskel zur Speiseröhre nicht mehr und Magensäure gelangt in die Speiseröhre. Sodbrennen entsteht. „Hüftgold“ ist unproblematischer als der Rettungsring um den Bauch, da das zusätzliche Gewicht in diesem Fall nicht auf den Magen drückt.

Nicht immer nur Übergewicht: weitere Auslöser für Sodbrennen

Generell gilt: Je mehr überflüssige Pfunde Sie mit sich herumschleppen, desto höher ist das Risiko für die Entwicklung von Sodbrennen. Allerdings ist in den wenigsten Fällen das Übergewicht der alleinige Auslöser für säurebedingte Magenbeschwerden.

Ernährung: entscheidend bei Sodbrennen UND Übergewicht

Übergewichtig oder nicht – eine falsche Ernährung kann zu Sodbrennen führen! Und mal ehrlich: Auch Übergewicht entsteht nicht von allein. Die Ernährung macht auch hier den entscheidenden Unterschied. Nehmen Sie also die eigenen Essgewohnheiten einmal unter die Lupe.

Essen Sie gerne fettreiche oder süße Kost und auch schon mal ein wenig mehr als nötig? Leider unterstützen genau diese Faktoren die Entstehung von Übergewicht. Sie können aber ebenso Auslöser für Symptome wie Völlegefühl, Blähbauch und Übelkeit sein. Das liegt daran, dass fetthaltiges und süßes Essen lange im Magen verbleibt. Außerdem wird die Ausschüttung von Magensäure stark angeregt. Dadurch übersäuert der Magen. Auch Genussmittel wie Kaffee, Alkohol und Nikotin tragen einen Großteil zur Entstehung von Sodbrennen bei.

Infekte & chronische Erkrankungen: als Ursachen nicht ausgeschlossen

Auch wenn die Ursachen auf der Hand zu liegen scheinen: Genau wie bei allen anderen Personen muss bei Übergewichtigen abgeklärt werden, ob Krankheitserreger wie beispielsweise das Bakterium Helicobacter pylori hinter den Symptomen stecken. Weiterhin können ebenso Medikamente Sodbrennen verursachen. Dies ist auch für die besser Beleibten gut zu wissen. Denn sie leiden beispielsweise öfters an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und genau die Arzneimittel zur Behandlung dieser Leiden gelten als mögliche Auslöser von Sodbrennen. Auch von Diabetes mellitus sind einige Übergewichtige betroffen. Diese Erkrankung kann ebenfalls die Entstehung von Sodbrennen fördern.

Woran erkenne ich, ob ich übergewichtig bin?

Die Bewertung des eigenen Körpergewichts ist grundsätzlich eher eine persönliche Sache. Der eine fühlt sich mit ein paar mehr Kilos auf der Waage pudelwohl. Das Wohlfühlgewicht des anderen ist hingegen tendenziell vielleicht etwas zu gering. Und manch einer empfindet sich als zu dick, obwohl dies aus medizinischer Sicht völlig unbegründet ist.

Körpermasseindex

Mit einer einfachen Formel finden Sie heraus, ob Sie übergewichtig sind. So lässt sich mit dem Body-Mass-Index, kurz BMI, das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße berechnen. Der deutsche Begriff dazu lautet Körpermasseindex. Die Formel lautet: Körpergewicht in Kilogramm (kg) geteilt durch die Körpergröße in Metern (m) zum Quadrat.

Beispielrechnung:

Sie haben eine Körpergröße von 1,70 m und wiegen 70 kg. Berechnen Sie zuerst die Körpergröße zum Quadrat: 1,70 m x 1,70 m = 2,89 m2. Teilen Sie das Körpergewicht durch diesen Wert: 70 kg: 2,89 m2= 24,2 kg/m2

Also ist Ihr BMI = 24,2 oder abgerundet 24.

Doch welche Werte sind normal?

Als Richtschnur gilt die Einteilung der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Für Erwachsene im Alter ab 20 Jahren gilt:

  • BMI 18,5 – 24,9: Normalgewicht
  • BMI 25 – 29,9: Übergewicht
  • BMI 30 – 34,9: Starkes Übergewicht

Allerdings erlaubt der BMI nur eine grobe Schätzung. Menschen mit viel Muskelmasse haben beispielsweise einen relativ hohen BMI. Übergewichtig sind sie deshalb aber nicht. Beim BMI wird nämlich nicht zwischen Fett und Muskeln unterschieden. Für die Beurteilung des eigenen Gesundheitsrisikos ist außerdem auch die Verteilung des Gewichts entscheidend. Denn vor allem die Fettdepots im Bauchraum und an den inneren Organen erhöhen das Risiko, an Sodbrennen zu erkranken.

Dennoch gibt der BMI einen guten Hinweis darauf, wer ein hohes Risiko hat, Sodbrennen zu entwickeln. Dies zeigte eine Studie der Universität Boston an über 10.000 Personen. Das Ergebnis: Je geringer der BMI, desto geringer war auch die Gefahr, an Sodbrennen zu leiden.

Wichtig für Sie

Zur Einschätzung, ob man übergewichtig ist, eignet sich der Body-Mass-Index (BMI). Das Idealgewicht hängt aber auch von Geschlecht und Alter ab. Außerdem gibt es einen angepassten BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche, die sich noch in der Wachstumsphase befinden.

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Was hilft gegen Übergewicht und Sodbrennen?

Hier ist vor allem eines gefragt: Eigeninitiative! Denn gegen Sodbrennen durch Übergewicht hilft nur, den Druck auf den Magen zu senken. Das bedeutet in Ihrem Fall: Trennen Sie sich von Ihren Kilos! Das geht natürlich nicht von heute auf morgen – und es ist nur eine von mehreren Maßnahmen.

Gewichtsabnahme: erleichtern Sie Ihr Leben!

Abnehmen ist nicht einfach, das kennen wir alle. Insbesondere Diäten versprechen oftmals viel und halten wenig. Nach einer schnellen Gewichtsabnahme schießt der Zeiger an der Waage schon nach kurzer Zeit bereits wieder in die Höhe. Dieser „Jo-Jo-Effekt“ ist den meisten bestens bekannt.

Wer sein Gewicht nachhaltig verringern möchte, sollte deshalb unbedingt auf eine langsame, aber dauerhafte Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und mehr Bewegung setzen. So wird langfristig das Fett im Körper abgebaut und die Fitness gesteigert.

Wichtig für Sie

Bei Sodbrennen durch Übergewicht hilft nur Abnehmen und eine dauerhafte Ernährungsumstellung. Sie benötigen Unterstützung beim Abnehmen? Hausarztpraxen, Krankenkassen und Ernährungsberater sind geeignete Ansprechpartner.

Ernährung: Qualität statt Masse

Übergewicht entwickelt sich langsam. Und meistens ist eine dauerhaft falsche Ernährung der Grund für die Gewichtsprobleme. Denn wer ständig mehr Kalorien zu sich nimmt, als der Körper verbraucht, nimmt zu. Deshalb gilt: Sie dürfen zwar grundsätzlich essen, was Ihnen schmeckt, aber in Maßen! Alte Gewohnheiten loszuwerden ist nicht leicht. Vor allem, wenn man sich an Schokoriegel & Co. als kleine leckere Zwischenmahlzeit gewöhnt hat. Deshalb sind ein fester Wille und Durchhaltevermögen jetzt unbedingt erforderlich. Aller guten Vorsätze zum Trotz kann es dennoch leicht passieren, dass sich gewohnte Verhaltensweisen wieder einschleichen. Um das zu verhindern, hilft ein Ernährungstagebuch. Denn: Viele sind überrascht, wie viele „Snacks“ sie über den Tag verteilt vernaschen. Auch ein Ernährungsplan kann in dieser Phase hilfreich sein. Hiermit können Sie die Mahlzeiten für die nächste Woche festlegen und sich daran orientieren. So entgehen Sie dem unbedachten Griff zu Kalorienbomben.

So schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: weniger Pfunde UND weniger Sodbrennen

Fett lässt sich beispielsweise gut einsparen, wenn ein Teil Sahne durch Milch, Mayonnaise durch Joghurt ersetzt wird. Die Mahlzeiten werden dadurch besser verdaulich und schmecken auch noch leicht und frisch. Um fettarmes Essen zuzubereiten, finden Sie auch zahlreiche leckere und gesunde Rezepte in Kochbüchern oder im Internet. Couchpotatos aufgepasst! Knabbereien wie Chips oder Laugengebäck sind leider auch sehr fett- und kalorienhaltig. Wer auf den Snack zwischendurch oder vor dem Fernseher nicht verzichten kann, für den ist Rohkost mit einem leckeren Dipp eine gesunde Alternative.

  • Mehr Obst und Gemüse essen,
  • Fett reduzieren,
  • Zuckergehalt von Lebensmitteln beachten,
  • gesunde Leckereien finden,
  • mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilen,
  • in Ruhe genießen und gut kauen,
  • abends nur leichte Kost essen.

Generell sollten Sie bei der Essenswahl auch auf den Zuckergehalt der Lebensmittel achten. Vorsicht, dieser ist oftmals dort versteckt, wo man ihn nicht vermutet. Ketchup, Fruchtsaft und Fertigprodukte sind beispielsweise oft wahre Zuckerbomben. Dennoch müssen Sie nicht auf Süßes verzichten. Probieren Sie gesunde Alternativen, wie frisches Obst oder Naturjoghurt mit einem Klecks Honig. Wenn Sie dies alles beachten, haben Sie gute Chancen, Übergewicht und Sodbrennen langfristig aus Ihrem Leben zu verbannen. Denn die Mahlzeiten sind gut verdaulich und kalorienarm. Weiterhin gilt: Gut kauen führt zu einem schnelleren Sättigungsgefühl und erleichtert die Verdauung. So entlasten Sie den Magen und beugen Sodbrennen vor.

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Wichtig für Sie

Lassen Sie sich bei der Auswahl eines für Sie geeigneten Medikaments in Ihrer Arztpraxis oder Apotheke beraten.

Übergewicht gehört zu den Risikofaktoren für die Entwicklung von Sodbrennen. Gerade überflüssige Pfunde im Bauchraum belasten Magen und Speiseröhre. Abnehmen und eine ausgewogene, leicht verdauliche Ernährung sind in diesem Fall wichtig, um das Sodbrennen in den Griff zu bekommen. Eine Umstellung der Lebensgewohnheiten geht dabei nicht von heute auf morgen. Für den akuten Notfall stehen Ihnen schnell wirksame und rezeptfreie Medikamente, wie beispielsweise Schichtgitterantazida, bei Sodbrennen zur Verfügung.

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AutorMedhacon, Medical Writer
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Medical AdvisorDR. KADE, Leiterin Medical Affairs

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