Wenn zu viel oder zu wenig Magensäure produziert wird

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2. Mai 2018
Lesedauer: ca. 11 Minuten

Die Magensäure ist wichtig für unsere Verdauung und die Abwehr von Keimen. Produziert der Magen jedoch zu viel oder in seltenen Fällen auch zu wenig Magensäure, kann es zu Beschwerden kommen. Steigt beispielsweise überschüssige Säure in die Speiseröhre auf, so entsteht Sodbrennen, das vielen nur zu gut bekannt ist. Wofür aber braucht der Körper nun Magensäure und was hilft gegen säurebedingte Magenbeschwerden?

Was ist Magensäure und wofür brauchen wir sie?

Die Magensäure ist ein Bestandteil des Magensafts und besteht aus Salzsäure. Durch diese ist der pH-Wert des Magensafts sehr sauer (pH 1-1,5) und damit aggressiv. Neben der Magensäure enthält der Magensaft zusätzlich Wasser und verschiedene Substanzen, welche die Nährstoffe spalten und verarbeiten.

Daher zählen zu den Aufgaben der Magensäure:

  1. Zersetzen der Nahrung,
  2. Keimabwehr.

Bei der Verdauung wird die Nahrung mit Hilfe der Salzsäure zunächst vorverdaut. Erst danach werden die Nährstoffe aufgespalten. Die Magensäure ist zudem so aggressiv, dass die allermeisten Krankheitserreger abgetötet werden.

Wichtig für Sie

Die Magensäure besteht aus Salzsäure. Als Bestandteil des Magensafts hat sie die Aufgabe, Nahrung zu zersetzen und in den Magen gelangte Keime abzutöten.

Was passiert bei zu viel Magensäure: Ursachen und Symptome

Die Ursachen für ein Zuviel an Magensäure sind vielfältig. Der häufigste Auslöser ist eine falsche Ernährung. Insbesondere

  • zucker- und fettreiche Lebensmittel sowie
  • phosphorsäurehaltige Lebensmittel (z. B.Cola)

gelten dabei als „Säurelocker“. Denn sie fördern die Bildung des Hormons Gastrin, welches wiederum die Magensäurebildung stimuliert.
Eine weitere Ursache für zu viel Magensäure ist ein ungesunder Lebensstil. Denn ein stressiger Alltag, Koffein und Nikotin beanspruchen den Magen. Ebenso kann der übermäßige Konsum von Alkohol zur vermehrten Bildung von Magensäure beitragen. Der Magen reagiert sauer.

Auch Infektionen können die Magensäureproduktion negativ beeinflussen. Beispielweise sind in Deutschland zirka 40 von 100 Menschen mit Helicobacter pylori-Bakterien infiziert. Dabei erfolgt die Infektion vermutlich bereits im Kindesalter über Speichel, Trinkwasser oder verunreinigte Nahrungsmittel. In vielen Fällen verläuft die Infektion unbemerkt und ohne Beschwerden. Manchmal stören Helicobacter pylori-Bakterien jedoch die Regulation der Magensäureproduktion. Dadurch entsteht zu viel Magensäure. Magenschleimhaut und Magenwand können dann geschädigt werden. In der Folge kann sich eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) sowie ein Magen- oder Zwölffingerdarm-Geschwür entwickeln.

Weiterhin können bestimmte entzündungshemmend wirkende Schmerzmittel die Magensäurebildung beeinflussen, wie beispielsweise

  • Acetylsalicylsäure,
  • Diclofenac,
  • Ibuprofen und
  • Naproxen.

Diese Medikamente wirken außerdem auch der Bildung des schützenden Magenschleims entgegen. Bei langfristiger Einnahme ist dann die Magenwand nicht mehr ausreichend vor der Magensäure geschützt.

Wichtig für Sie

Mögliche Ursachen für eine Magensäureüberproduktion sind eine falsche Ernährung, ein ungesunder Lebensstil, Infektionen und bestimmte Medikamente.

Typisch bei Magensäureüberproduktion: Magenschmerzen und Sodbrennen

Eine Übersäuerung des Magens kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen:

Häufig kommt es bei einer Magensäureüberproduktion auch zum Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre. Dieser Vorgang wird als Reflux bezeichnet. Da die Schleimhaut der Speiseröhre ohne schützende Schleimschicht ist, wird sie von der starken Säure gereizt.

Es können folgende Symptome auftreten:

  • Sodbrennen und Brennen im Brustbeinbereich,
  • saures Aufstoßen und Brennen im Mund,
  • Mundgeruch,
  • Husten,
  • Halsschmerzen.

Die Symptome bei einem Zuviel an Magensäure können sich durch körperliche Betätigungen, wie schweres Heben oder Drücken, und auch im Liegen zusätzlich verschlimmern. Zwar sind die Beschwerden teilweise sehr unangenehm, generell schadet eine kurzfristige Übersäuerung dem Magen aber nicht. Erst bei häufigerer oder länger anhaltender Übersäuerung werden die Schleimhäute von Magen und Speiseröhre angegriffen.

Wichtig für Sie

Zu viel Magensäure äußert sich häufig in Symptomen wie Magenbeschwerden und Sodbrennen. Gelegentliche Beschwerden sind dabei kein Grund zur Sorge. Denn erst wenn sich häufiger oder länger anhaltend zu viel Magensäure im Magen befindet, greift diese die Schleimhäute an.

Alarmsymptome: in diesem Fall ist ein Arztbesuch erforderlich

Gelegentlich treten Beschwerden auf, die im Zusammenhang mit Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden eher untypisch sind. Nehmen Sie solche Alarmsymptome bei sich wahr, ist ein sofortiger Arztbesuch unumgänglich.

Dazu gehören:

  • Schluckbeschwerden,
  • starke, unbeabsichtigte Gewichtsabnahme,
  • Schwellungen und Verhärtungen im Bauchraum,
  • blutiges Erbrechen,
  • schwarzgefärbter Stuhl,
  • starke, anhaltende Schmerzen und heftige Krämpfe.

Wichtig für Sie

Bei Auftreten von Alarmsymptomen müssen Sie einen Arzt aufsuchen. Denn diese Beschwerden sind nicht typisch bei Sodbrennen und säurebedingten Beschwerden und können auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen.

Schadet zu wenig Magensäure der Gesundheit?

In seltenen Fällen kann auch ein Mangel an Magensäure auftreten. Dies kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Denn ohne eine ausreichende Menge an Magensäure können die anderen Bestandteile des Magensaftes nicht richtig arbeiten, sodass die Verdauung gestört wird. Meistens kommt es dadurch zu unspezifischen Beschwerden wie:

  • Übelkeit,
  • Blähungen und
  • Durchfall.

Zudem werden bei geringer Bildung von Magensäure nicht alle Krankheitserreger abgetötet. Dadurch kann es zu Infektionen kommen.

Mögliche Ursachen und Folgen von Magensäuremangel

Nicht immer steckt eine Erkrankung dahinter, wenn zu wenig Magensäure gebildet wird. Die Ursachen können rein organischer Natur sein. So nimmt beispielsweise die Aktivität der Magenschleimhaut mit zunehmendem Lebensalter ab. Deshalb sinkt auch die Produktion von Magensäure.

Als Folge des Magensäuremangels kann unter Umständen ein Nährstoffmangel entstehen. Dies betrifft insbesondere das Vitamin B12. Denn es kann nur aufgenommen werden, wenn genug Magensäure im Magen ist. Das liegt an den Eigenschaften des Vitamin B12-Transportmoleküls, dem Intrinsic Factor. Er funktioniert nämlich nur im sauren Milieu. Ferner kann sich ein Vitamin B12-Mangel auch auf den Eisengehalt im Blut auswirken. Dies beeinflusst wiederum die Bildung roter Blutkörperchen.

Wichtig für Sie

Ein Magensäuremangel kann altersbedingt sein oder andere Ursachen haben. Unabhängig von der Ursache gilt, dass ein dauerhafter Mangel an Magensäure Folgen für die Gesundheit haben kann.

Was hilft: Behandlung bei zu viel Magensäure?

Die Beschwerden durch zu viel Magensäure können sehr unangenehm sein. Die gute Nachricht: Es gibt Hilfe. Die Behandlungsmöglichkeiten bei Sodbrennen reichen von Hausmitteln bis zu Medikamenten. Bevor Sie sich allerdings zum Kampf gegen die Magensäure rüsten, sollten Sie eines beachten. Bei schwerwiegenden Symptomen muss der Hausarzt aufgesucht werden. Dies gilt insbesondere, wenn Alltag und Lebensqualität beeinträchtigt sind. Akute leichtere Beschwerden können Sie jedoch getrost mit Hausmitteln oder rezeptfreien Medikamenten behandeln.

Auf die sanfte Tour: Hausmittel gegen zu viel Magensäure

Um die Magensäure bei akutem Sodbrennen und saurem Aufstoßen zu neutralisieren, eignen sich bestimmte Lebensmittel, wie reife Bananen, Nüsse und Weißbrot. Auch Pflanzen und Kräuter sind Hausmittel, die Magenbeschwerden lindern und die Verdauung fördern können. Sie sind sowohl als Gewürz in der Mahlzeit oder aber als Teeaufguss anwendbar.

Geeignet sind insbesondere:

  • Anis,
  • Fenchel,
  • Kamille oder
  • Kümmel.

Zu viel Magensäure kann man gegebenenfalls auch mit Homöopathie in den Griff bekommen. Hier stehen, je nach Art der Beschwerden, verschiedene Globuli zur Verfügung, welche bei Symptomen wie saures Aufstoßen und Sodbrennen hilfreich sein können.

Wichtig für Sie

Zu den Hausmitteln, die bei zu viel Magensäure helfen können, zählen neutralisierend wirkende Lebensmittel, verdauungsfördernde Kräuter oder Homöopathie.

Medikamente: schnelle und effektive Hilfe

Helfen Ihnen Hausmittel nicht? Dann können Sie den Beschwerden durch zu viel Magensäure auch mit magensäurereduzierenden Medikamenten entgegenwirken. Diese sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Bei gelegentlichen Beschwerden eignen sich vor allem Schichtgitterantazida, beispielsweise mit dem Wirkstoff Magaldrat. Denn dieser neutralisiert die überschüssige Magensäure, ohne die natürliche Säureproduktion zu beeinflussen. Besonders alltagstauglich sind die Schichtgitterantazida als sogenannte Magengele. Als Einzeldosis verpackt im praktischen Stick Pack passen sie bequem in jede Tasche und können bei Bedarf ohne zusätzliche Flüssigkeit eingenommen werden. Bei häufigeren Beschwerden helfen sogenannte Protonenpumpenhemmer (PPI), welche die Neuproduktion von Magensäure verhindern.

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Tipps für den Alltag von Magensäuregeplagten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, der überschießenden Produktion von Magensäure vorzubeugen. Am wichtigsten ist eine angemessene Ernährung, aber auch die Umstellung der Lebensgewohnheiten ist oftmals schon lohnenswert

Magenschonende Ernährung: was essen bei Magenübersäuerung?

Wenn Sie zu Magenübersäuerung neigen, sollten Sie auf ausgewogene Mahlzeiten achten. Vor allem Lebensmittel mit einem guten Säure-Base-Verhältnis können sich dabei positiv auf die Regulation der Magensäureproduktion auswirken. Basen sind im Prinzip das Gegenteil von Säuren, so dass basische Lebensmittel Säure neutralisieren können. Gute Basenlieferanten sind beispielsweise frisches Obst und Gemüse (Äpfel, Birnen, Beeren oder Kartoffeln).

Weitere Ernährungstipps:

  • wenig Wurst und Fleisch,
  • kleine Mahlzeiten,
  • ausreichend Trinken.

Rund um die Angewohnheiten

Die Umstellung von Lebensgewohnheiten fällt dem „Gewohnheitstier“ Mensch oft schwer. Raffen Sie sich auf. Denn es lohnt sich – nicht nur für den Magen. Sie müssen dabei natürlich nicht gleich alle liebgewonnenen Gewohnheiten über Bord werfen. Einige Punkte sind jedoch wichtig und können Sie bei Ihrem Feldzug gegen die Beschwerden ein gutes Stück weiterbringen. Dazu zählen

  • regelmäßige Essenszeiten,
  • Verzicht auf Rauchen, Alkohol und Koffein,
  • Verdauungsspaziergang ja, mittägliches Nickerchen nein,
  • Sport und Bewegung.

Warum das Ganze? Regelmäßiges, wohl portioniertes Essen kann leicht verdaut werden. Zusätzlich machen gut verträgliche Getränke wie Wasser oder Kräutertees dabei die Nahrung weicher und helfen beim Zerkleinern. Im Gegensatz dazu schaden Angewohnheiten wie die Zigarette oder ein Schnaps nach dem Essen dem Magen. Dennoch müssen Sie nicht auf schöne Rituale verzichten. Aber vielleicht finden sich magenschonende Alternativen. Gehen Sie nach dem Essen beispielsweise lieber ein Stück spazieren. Ein Mittagschläfchen ist dagegen keine gute Alternative. Denn im Liegen könnte die Magensäure leicht in die Speiseröhre hochfließen. Bewegung hingegen bringt die Verdauung auf Tour und die Magensäure gelangt so erst gar nicht in die Nähe der Speiseröhre.

In der Nacht können wir eine Liegeposition nun einmal nicht vermeiden. Nächtlicher Reflux lässt sich aber gut durch eine erhöhte Oberkörperlagerung reduzieren. Hilfreich ist außerdem, die letzte Mahlzeit etwa 3 Stunden vor dem Schlafengehen einzunehmen.

Erholung für Leib und Seele: Genießen Sie den Moment!

Die regelmäßige Erholung für Leib und Seele ist wichtig. Denn Stress und psychische Belastungen wirken sich langfristig auf alle Lebensbereiche negativ aus. Deshalb ist die Reduktion von Stress grundsätzlich wichtig. Mittlerweile gibt es dabei für jeden passende Angebote zum Stressmanagement – egal, ob Sie eher ein aktiver Mensch sind oder gerne relaxen. Informieren Sie sich doch auch einmal bei Ihrer Krankenkasse. Denn viele Kassen bieten Kurse zur Stressbewältigung an, teilweise sogar mit der Möglichkeit einer Kostenübernahme.

Weitere Anregungen:

  • Yoga, autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Tai-Chi,
  • auspowernder Sport,
  • ein Termin „nur für Sie“.

Wer „Leidensgenossen“ für seine Motivation braucht, ist in einem Sportverein oder in einem Stressbewältigungskurs gut aufgehoben. Und für diejenigen, die es lieber ruhiger mögen, kommt vielleicht eine Massage, ein Frisörbesuch oder ein gutes Buch in Frage. Alles, was Ihnen guttut, dient der Erholung und der Stressreduktion.

Wichtig für Sie

Mit vielen kleinen Schritten können Sie selber dafür sorgen, dass die Magensäure Ihnen nicht mehr so zu schaffen macht. Wenn sich Ihre Beschwerden jedoch nach 2 Wochen nicht bessern, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Magensäure ist eine nützliche Flüssigkeit. Wir brauchen Sie zur Verdauung unserer Nahrung und zur Abwehr krankmachender Keime. Zu viel oder zu wenig Magensäure schadet jedoch und kann unter anderem zu Sodbrennen beziehungsweise Verdauungsstörungen führen. Viele Menschen leiden vor allem an einer Magensäureüberproduktion. Hier können neben einer Umstellung der Lebensgewohnheiten auch Hausmittel und magensäureneutralisierende Medikamente helfen.

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AutorMedhacon, Medical Writer
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Medical AdvisorDR. KADE, Leiterin Medical Affairs

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