Sodbrennen – wenn das Feuer in der Speiseröhre lodert

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20. Juli 2016
Lesedauer: ca. 10 Minuten

Wer kennt es nicht – das starke Brennen in der Speiseröhre? Tagsüber traut man sich aus Angst vor Übelkeit schon nicht mehr an den leckeren Nachtisch heran. Und nachts rauben einem die Schmerzen in der Speiseröhre auch noch den wohlverdienten Schlaf. Menschen, die zu Sodbrennen neigen, leiden dabei häufig unter saurem Aufstoßen oder Magenschmerzen. Durch diese Beschwerden sind sie in Ihrem Alltag oft stark eingeschränkt. Doch was genau ist eigentlich Sodbrennen und wie kann man es bekämpfen?

Was ist Sodbrennen? Die Fakten

Sodbrennen entsteht, sobald Mageninhalt in die Speiseröhre gelangt (sogenannter Reflux). Insbesondere der Magensaft mit der ätzenden Magensäure ist sehr sauer. Mit einem pH-Wert von 1-2 entspricht er einer sehr starken Säure. Der Magenschleimhaut kann die ätzende Flüssigkeit nichts anhaben. Die Speiseröhre ist der aggressiven Säure hingegen schutzlos ausgeliefert. Deshalb kommt es dort zu Reizungen. Diese empfinden wir oft als Schmerzen hinter dem Brustbein und Sodbrennen.

Eigentlich hat Magensäure in der Speiseröhre nichts zu suchen. Wie also gelangt sie dorthin? In manchen Fällen funktioniert der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig. Im gesunden Zustand sorgt er dafür, dass die Nahrung von der Speiseröhre in den Magen rutschen kann. Mageninhalt und Magensaft können dabei nicht zurückfließen. Fällt diese Reflux-Barriere jedoch weg, kann Mageninhalt wieder aufsteigen und Sodbrennen verursachen.

Symptome: Das sind die typischen Anzeichen bei Sodbrennen

Sodbrennen kann sich in vielen verschiedenen Symptomen äußern. Und auch die Stärke der Beschwerden ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt jedoch einige sehr typische Sodbrennen-Symptome.

Dazu zählen neben Schmerzen in der Speiseröhre auch

Oft treten die Anzeichen für Sodbrennen nach dem Essen, im Liegen bzw. nachts oder bei körperlicher Aktivität auf.

Ursachen für Sodbrennen

Als Auslöser für Reflux und Sodbrennen kommen mehrere Ursachen in Frage.

Oft entsteht Sodbrennen durch

Hier spielen vor allem fett- und zuckerhaltige Speisen eine Rolle. Denn sie regen die Produktion von Magensäure und Magensaft an. Dasselbe gilt für bestimmte Getränke und Genussmittel, z. B. Alkohol, Kaffee oder Nikotin. Bei übermäßigem Konsum kann dann auch schon einmal ein gesunder Magen streiken.

Manchmal ist auch eine chronische Erkrankung, z. B. Diabetes mellitus, Grund für das Auftreten von Sodbrennen. Aber auch andere Krankheiten oder eine Infektion können die Symptome auslösen. Beispielsweise ist das Bakterium Helicobacter pylori bestens an den sauren pH-Wert im Magen angepasst. Deshalb kann die Magensäure, die normalerweise sämtliche in den Magen gelangte Keime abtötet, ihm nichts anhaben. Stört der Keim die Säureproduktion in der Magenschleimhaut, kann es dadurch zu Übersäuerung und vermehrtem Rückfluss von Mageninhalt kommen.

Zudem können auch bestimmte Medikamente als unerwünschte Nebenwirkung Sodbrennen fördern.

Mögliche Folgen von Sodbrennen

Wenn der Rückfluss von saurem Magensaft bzw. Mageninhalt und Sodbrennen häufiger auftreten, kann dies Folgen für die Gesundheit nach sich ziehen. So können sich bei anhaltender Reizung beispielsweise Speiseröhrenentzündungen oder Magenschleimhautentzündungen entwickeln. Im Magen können zudem Geschwüre entstehen.

Und auch der Darm kann langfristig betroffen sein. Denn wenn der Schließmuskel zwischen Magen und Zwölffingerdarm nicht richtig schließt, kann es auch hier zu Reflux kommen. Dann gelangt Gallensaft in den Magen und beeinträchtigt die Magenfunktion. Außerdem kann dann auch Magensäure in den Zwölffingerdarm fließen. Dieser ist vor der starken Säure nicht geschützt und wird angegriffen. In diesem Fall besteht das Risiko, dass Zwölffingerdarmgeschwüre und weitere Beschwerden in Magen-Darmbereich entstehen.

Gibt es Risikogruppen für Sodbrennen?

Betrachtet man die häufigsten Ursachen für Sodbrennen, dann wird klar: Ja, bestimmte Personengruppen sind besonders gefährdet, Sodbrennen zu entwickeln. Dazu gehören

  • ältere Menschen,
  • Übergewichtige,
  • Schwangere,
  • Sportler,
  • gestresste Menschen und
  • Menschen mit problematischem Essverhalten.

Die betroffenen Personengruppen leiden meist unter einer beeinträchtigten Funktion von Magen und Speiseröhrenschließmuskel. Die Gründe dafür sind oft unterschiedlich, das Ergebnis ist jedoch dasselbe: Es kommt zu vermehrtem Rückfluss von saurem Mageninhalt. Schmerzen und weitere Symptome für Sodbrennen entstehen.

Sodbrennen in der Schwangerschaft

Gerade in der Schwangerschaft ist das Risiko für das Auftreten von Sodbrennen groß. Das hat zwei wesentliche Gründe: die Schwangerschaftshormone und den steigenden Druck im Bauchraum.

Die Hormone sorgen für lockere Muskeln und Gewebe im Bauchraum, damit die Gebärmutter sich ausdehnen kann. Dabei lockert sich auch der Speiseröhrenschließmuskel. Er schießt dann nicht mehr richtig und es kann vermehrt zu Reflux und Sodbrennen-Symptomen kommen. Dies passiert im Verlauf der Schwangerschaft immer öfter. Denn mit dem Babybauch wächst auch der Druck auf Magen und Schließmuskel.

Da die meisten Frauen in der Schwangerschaft lieber auf Arzneimittel verzichten möchten, sind in diesem Fall vor allem sanfte Behandlungsmethoden gefragt. Helfen können unter anderem

  • Hausmittel wie Kümmeltee oder Kartoffelsaft sowie
  • das Befolgen bestimmter Verhaltensregeln.

Hier einige Tipps: Lagern Sie Ihren Oberkörper im Liegen möglichst oft hoch, um den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre zu erschweren. Essen Sie außerdem nur kleine, leicht verdauliche Mahlzeiten. Wenn dies nicht ausreicht, können Schwangere aber auch für eine kurzfristige Anwendung zu Säurebindern, den sogenannten Antazida, greifen. Bessern sich die Beschwerden nicht, ist ein Arzt zu Rate zu ziehen.

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Vorbeugen ist die beste Medizin: Prävention

Zur Vorbeugung von Sodbrennen ist vor allem Eigeninitiative gefragt. Denn kleine Anpassungen der Ernährung und des Lebensstils können das Sodbrennen oft schon deutlich lindern und vielleicht sogar vorbeugen. Deshalb lohnt es sich, die eigenen Gewohnheiten genau unter die Lupe zu nehmen. Verzichten Sie beispielsweise weitestgehend auf Sodbrennen-fördernde Getränke wie Kaffee und Alkohol. Denn diese Genussmittel führen schnell zu einer Übersäuerung des Magens.

Achten Sie weiterhin auf

  • eine gesunde Ernährung mit wenig Fett und Zucker,
  • eine ausreichende Trinkmenge (z. B. ungesüßte Kräutertees, stilles Wasser),
  • Abnehmen bei Übergewicht,
  • eine aufrechte Körperhaltung und viel Bewegung,
  • eine Schlaf- und Liegeposition in Rückenlage mit hochgelagertem Oberkörper,
  • den Abbau von Stress sowie
  • bequeme, nicht einengende Kleidung.

Um Sodbrennen zu vermeiden, muss man allerdings zunächst die genauen Ursachen kennen. Um diese herauszufinden, kann das Führen eines Sodbrennen-Tagebuchs helfen. Denn haben Sie erst einmal Ihre persönlichen Sodbrennen-Auslöser enttarnt, können Sie Ihren Alltag gezielt anpassen und den Beschwerden vorbeugen. So bleiben Sie langfristig gesund und das Leben schmeckt Ihnen.

Gesund durch die richtige Atmung

Im Alltag atmen wir meist zu flach. Deshalb ist unsere Atemmuskulatur, insbesondere das Zwerchfell, oftmals nicht richtig trainiert. Dies wirkt sich auch auf unseren Magen und die Speiseröhre aus. Denn das Zwerchfell soll optimalerweise als „Anti-Refluxbarriere“ die Speiseröhre stützen und dem Speiseröhrenschließmuskel in seiner Funktion helfen. Ein schwaches Zwerchfell erfüllt diese Aufgaben jedoch nicht. Aber das lässt sich ändern! Denn mit speziellen Übungen kann man die Zwerchfellmuskulatur gezielt stärken und so Sodbrennen lindern oder sogar vorbeugen. Die Technik der tiefen Bauchatmung, auch Zwerchfellatmung genannt, ist dabei relativ einfach und für jedermann erlernbar. Zudem kann man sie gut in den Alltag integrieren. Probieren Sie aus, ob es Ihnen hilft.

Hausmittel: sanfte Hilfe für den Magen

Ein weiterer Tipp zur Prävention von Sodbrennen ist der Einsatz von Hausmitteln. Dabei ist die Liste der Empfehlungen lang. Und nicht jedes Hausmittel ist für alle Betroffenen gleich gut geeignet. Grundsätzlich wirken jedoch beispielsweise bestimmte Kräuter, als Gewürz in den Gerichten oder auch als Tee, magenberuhigend und verdauungsfördernd. Trinken Sie ausreichend. Denn mit ungesüßtem Kräutertee oder stillem Wasser lässt sich der saure Magensaft verdünnen. Weiterhin können bestimmte Lebensmittel, wie

  • Kartoffelsaft,
  • Weißbrot oder
  • reife Bananen,

Magensäure binden. Auf diese Weise wirken sie einer Übersäuerung des Magens entgegen. Sodbrennen kann dann schnell gelindert werden oder entsteht erst gar nicht. Ein weiterer Tipp ist auch die Verwendung homöopathischer Mitteln. Denn auch damit machen einige Betroffene gute Erfahrungen.

Vorsicht ist jedoch geboten bei Natron. Langezeit galt es als klassisches Hausmittel bei Sodbrennen. Allerdings sollte es nicht ohne Weiteres eingesetzt werden. Denn Natron kann den Säure-Basen-Haushalt des Körpers stören und zu unangenehmen Nebenwirkungen wie starkes Aufstoßen führen. Weiterhin sollten zu Sodbrennen neigende Personen nicht unbedingt Milch trinken. Denn Milch scheint bei einigen Betroffenen das Sodbrennen eher zu fördern anstatt es zu lindern.

Wichtig für Sie

Bei Sodbrennen durch Übergewicht hilft nur Abnehmen und eine dauerhafte Ernährungsumstellung. Sie benötigen Unterstützung beim Abnehmen? Hausarztpraxen, Krankenkassen und Ernährungsberater sind geeignete Ansprechpartner.

Behandlung: Arzneimittel gegen Sodbrennen

Zur Behandlung von Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden stehen verschiedene rezeptfrei erhältliche Arzneimittel zur Verfügung.

Am häufigsten eingesetzt werden

  • Antazida,
  • Protonenpumpenhemmer (PPI) und
  • H2-Blocker.

Behandlung mit Antazida: Kautablette oder Magen Gel bei leichtem Sodbrennen

Zur Behandlung von leichten Beschwerden sind Säurebinder, die sogenannten Antazida, gut geeignet. Besonders gut verträglich sind dabei Schichtgitterantazida wie RIOPAN. Denn diese Medikamente neutralisieren nur die überflüssige Magensäure. Der Magen wird dadurch vor einer Übersäuerung geschützt, jedoch in seiner Verdauungsfunktion nicht beeinträchtigt. Denn der pH-Wert des Magens bleibt im optimalen Bereich von 3-5. RIOPAN ist dabei als Kautablette oder Magen Gel rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Besonders praktisch: Beide Darreichungsformen passen in jede Tasche und lassen sich im Alltag oder auf Reisen ohne zusätzliche Flüssigkeit einnehmen. Ein weiterer Vorteil ist die sofortige Wirkung unmittelbar nach der Einnahme. Dabei legt sich vor allem das Magen Gel schützend über die Speiseröhren- und Magenschleimhaut. So wird Ihnen schnell geholfen und Sie können den Moment wieder genießen.

Behandlung mit Säureblockern: Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker

Stärkere oder regelmäßige Beschwerden werden meist mit Protonenpumpenhemmern (PPI) behandelt. Dazu zählt zum Beispiel Pantozol Control®. Es hemmt als sogenannter Säureblocker die Magensäureproduktion. Der Wirkeintritt dauert dabei etwas länger als bei den Antazida, allerdings hält die Wirkung auch länger an. Einige Protonenpumpenhemmer sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und zur kurzfristigen Selbstbehandlung geeignet. Eine längerfristige Therapie über 2 Wochen hinaus sollte jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Denn in diesem Fall ist zunächst die Ursache für die Beschwerden abzuklären. Es könnte nämlich eine ernsthafte Krankheit hinter den Beschwerden stecken.

Zu den Säureblockern gehören auch die H2-Blocker. Diese Arzneimittel kommen meistens zum Einsatz, wenn Betroffene keine PPI vertragen oder diese nicht helfen. Zudem eignen sie sich zur Behandlung von Personen, die unter regelmäßigem, leichterem Sodbrennen leiden. Die Wirkung der H2-Blocker beruht auf einem anderen Mechanismus als bei den PPI. Außerdem wirken sie weniger stark. Trotzdem gilt auch bei diesen Medikamenten, dass eine längerfristige Therapie nur in Begleitung eines Arztes erfolgen sollte. Deshalb sind H2-Blocker auch nur in niedriger Dosierung rezeptfrei in der Apotheke zu erwerben. Höher dosierte Präparate sind rezeptpflichtig.
Auch wenn Sie die Sodbrennen-Mittel rezeptfrei zur Selbstmedikation erhalten haben: Beachten Sie die Hinweise in den Packungsbeilagen! Denn wie bei allen Arzneimitteln können auch bei Antazida, PPI und H2-Blockern Nebenwirkungen auftreten.

Grenzen der Selbstbehandlung: in diesen Fällen müssen Sie zum Arzt

Gelegentliches Brennen in der Speiseröhre ist kein Grund zur Sorge. Wenn Sie jedoch regelmäßig unter Reflux und Sodbrennen leiden oder die Beschwerden sehr unangenehm sind, sollten Sie dies nicht ignorieren. Denn möglicherweise liegt dann eine behandlungsbedürftige Erkrankung vor. Beispielsweise die gastroösophageale Refluxkrankheit, kurz GERD (vom englischen Begriff Gastroesophageal Reflux Disease).

Insbesondere, wenn Hausmittel und eine Selbstbehandlung mit rezeptfrei erhältlichen Medikamenten nach 2 Wochen keine Besserung gebracht haben, ist deshalb ein Arztbesuch nötig. Der erste Gang führt dabei zum Hausarzt. Denn er kann die Ursachen Ihrer Beschwerden feststellen und eine geeignete Behandlung einleiten. Im Zweifel wird er Sie zur ausführlichen Diagnostik an einen Facharzt, den Gastroenterologen, überweisen.

Bei den folgenden Alarmsymptomen ist ein sofortiger Arztbesuch unumgänglich:

  • Blutungen, erkennbar an schwarzen Verfärbungen im Stuhl,
  • Schluckbeschwerden,
  • starke und unbeabsichtigte Gewichtsabnahme,
  • Schwellungen und Verhärtungen im Bauchraum,
  • starke Schmerzen im Brustkorb oder Oberbauch,
  • Erbrechen ohne erkennbaren Auslöser.
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AutorMEDAHCON, Medical Writer
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Medical AdvisorDR. KADE, Leiterin Medical Affairs

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