Sodbrennen bei Zwerchfellbruch

Fast jeder Dritte leidet in Deutschland gelegentlich an Sodbrennen. In manchen Fällen wird das Sodbrennen durch einen Zwerchfellbruch (medizinisch Hiatushernie) verursacht. Das Zwerchfell ist eine großflächige Muskelplatte, die Brust- und Bauchhöhle voneinander trennt. Im Zwerchfell gibt es eine kleine Lücke an der Stelle, an der die Speiseröhre durch das Zwerchfell tritt. Bei einem Zwerchfellbruch ist diese Lücke so groß, dass Teile des Magens durch sie vom Bauch- in den Brustraum rutschen. Als Folge kann saurer Mageninhalt in die Speiseröhre gedrückt werden.

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Was ist das Zwerchfell und was passiert, wenn es bricht?

Das Zwerchfell ist ein großflächiger Muskel, der den Brust- und Bauchraum voneinander trennt. Die Speiseröhre verläuft von oben durch das Zwerchfell und mündet in den Magen. Die Stelle, an der die Speiseröhre durch das Zwerchfell tritt, nennen Mediziner „Hiatus“. Eine „Hernie“ ist das medizinische Wort für Bruch. Bei einem Zwerchfellbruch vergrößert sich diese Lücke durch Druck (zum Beispiel beim Husten oder körperlicher Anstrengung) und der Magen dringt durch die entstandene Lücke ein Stück nach oben in den Brustraum. Das kann den Mageninhalt zurück in die Speiseröhre drücken und zu Reflux und Sodbrennen führen.

Zwerchfellbruch als Sodbrennen-Ursache

Etwa ein Viertel aller Menschen über 50 Jahre hat einen Zwerchfellbruch. Solange der Bruch keine Beschwerden verursacht, erfahren viele Betroffene nie, dass sie daran leiden. Anders ist das, wenn sich Teile des Magens durch den Zwerchfellspalt quetschen, den unteren Ösophagussphinkter (das ist der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen) aufdrücken und in der Folge aggressiver saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Lesen Sie hier mehr zu Sodbrennen und Magensäurerückfluss (Reflux).

Ursachen für einen Zwerchfellbruch

Was einen Zwerchfellbruch verursacht, ist nicht genau bekannt. Begünstigt werden Zwerchfellbrüche durch ein geschwächtes Bindegewebe. Deshalb sind Hiatushernien bei älteren Menschen nichts Ungewöhnliches. Außerdem kann in Kombination mit einem erhöhten Druck in der Bauchhöhle auf das Zwerchfell eine Hiatushernie entstehen. Das passiert zum Beispiel beim Husten, Niesen, Pressen oder schwerer körperlicher Arbeit. Bei übergewichtigen Menschen treten Zwerchfellhernien häufiger auf. Begünstigt werden sie außerdem in der Schwangerschaft, bei Verstopfungen oder Prostatabeschwerden. Es gibt verschiedene Formen von Hiatushernien:

  • Axiale Hernie (auch Gleithernie, Gleitbruch, axiale Gleithernie): Bei der häufigsten Form eines Zwerchfellbruchs rutscht der Mageneingang und der obere Teil des Magens durch das Zwerchfell in den Brustraum.
  • Paraösophageale Hiatushernie: Hier gelangen ebenfalls Teile des Magens in den Brustraum. Sie bilden eine Art Sack, der neben der Speiseröhre auf dem Zwerchfell aufliegt.
  • Mischformen: Auch Mischformen von axialen und paraösophagealen Hiatushernien sind möglich.
  • Upside-down-Magen (auch Thoraxmagen): Dabei rutschen zwei Drittel oder sogar der gesamte Magen in den Brustraum.

Anmerkung: Entgegen vieler Annahmen heißt es Zwerchfellbruch und nicht Zwergfellbruch.

Behandlung von Sodbrennen nach Zwerchfellbruch

Ohne Symptome wird ein Zwerchfellbruch nicht behandelt. Wenn Sie gelegentlich an Sodbrennen leiden, können Sie sich in Ihrer Apotheke beraten lassen. In vielen Fällen hilft eine Umstellung der Ernährung und der Abbau von Übergewicht. Außerdem erhalten Sie in der Apotheke nicht verschreibungspflichtige säurebindende Medikamente (z.B. Antazida) und niedrig dosierte Säureblocker, die schnell und sicher gegen Sodbrennen wirken. Wenn die Medikamente Ihre Beschwerden nach zweiwöchiger Einnahme nicht lindern und bei stärkeren und häufigeren Beschwerden sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen. Starke Beschwerden können ein Anzeichen für eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) sein. Der Arzt kann Ihnen dann sogenannte Protonenpumpenhemmer oder seltener Histaminrezeptorblocker verschreiben, die die Produktion der Magensäure verringern. Wenn sich die Speiseröhre aufgrund des zurückfließenden Magensafts entzündet, kann in einigen Fällen eine Operation notwendig sein.

Medikamente gegen Sodbrennen nach Zwerchfellbruch

Antazida

Ein bewährtes Mittel bei Sodbrennen sind säurehemmende Medikamente, sogenannte Antazida. Rezeptfreie Mittel mit dem Wirkstoff Magaldrat erhalten Sie in der Apotheke als Gel oder Magentabletten (RIOPAN Magen Gel oder RIOPAN Magen Tabletten). Beide Mittel binden überschüssige Magensäure. Sie lindern Beschwerden wie Sodbrennen und saures Aufstoßen schnell und zuverlässig.

Refluxsuppressiva

Diese Mittel, die zum Beispiel aus bestimmten Algen gewonnen werden, bezeichnet man dann auch als Alginate. Ihre Wirkweise besteht aus einem neutralen Gelschaum, der eine Barriere auf dem Flüssigkeitsspiegel des Magens bildet und so einen Reflux verhindert. Diese Refluxsuppressiva wirken bereits kurz nach der Einnahme über mehrere Stunden.

Protonenpumpenhemmer, Protonenpumpeninhibitoren (PPI)

Bei dauerhaftem Reflux helfen Säureblocker, sogenannte Protonenpumpenhemmer (auch Protonenpumpenblocker). Sie hemmen die Bildung von Magensäure. Säureblocker verhindern zwar nicht den Reflux an sich, aber der Magensaft verliert seine Reizwirkung. Säureblocker werden bei einer Akuttherapie über vier Wochen eingenommen.

H2-Rezeptorenblocker

H2-Rezeptorenblocker reduzieren ebenfalls die Magensäure, jedoch schwächer als PPI. Daher werden sie heutzutage eher seltener eingesetzt, beispielsweise bei bekannten Unverträglichkeiten gegenüber alternativen Arzneimitteln.

Einen Zwerchfellbruch oder Zwerchfellriss erkennen

Wenn Sie an Sodbrennen leiden, kann der Arzt mithilfe verschiedener Untersuchungen feststellen, ob ein Zwerchfellbruch die Ursache für die Beschwerden ist:

  • Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel (Speiseröhren-Breischluck),
  • Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm (Endoskopie) und gegebenenfalls
  • weitere Untersuchungen wie eine Computertomographie, wenn eine Operation notwendig sein sollte.

Zwerchfellbruch Operation

Wenn eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und eine medikamentöse Therapie die Beschwerden nicht lindern, kann eine Zwerchfellbruch-Operation in Frage kommen. Der Arzt zieht eine Zwerchfell-OP in Erwägung, wenn

  • nachweislich ein krankhaft gesteigerter Rückfluss (Reflux) vorliegt,
  • sich durch den Reflux die Speiseröhre entzündet und sich in der Folge Vernarbungen bilden,
  • die hartnäckigen Beschwerden die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Eine Zwerchfell-OP ist nicht ratsam, wenn jemand schwer krank, sehr alt oder schwach ist oder von dem Bruch kein akutes Risiko ausgeht.

Zwerchfellbruch – verschiedene Operationen sind möglich

Ziel einer Zwerchfelloperation ist es, die Organe wieder in ihre ursprüngliche Position in der Bauchhöhle zu bringen und dort zu fixieren. Bei einem Zwerchfellbruch gibt es verschiedene Operationsmöglichkeiten:

  • Eine häufige Operationsmethode ist die sogenannte Fundoplastik (Fundoplicatio) bei einer axialen Hiatushernie. Sie behebt lediglich die Refluxerkrankung und nicht den Zwerchfellbruch. Bei einer Fundoplicatio wird aus Magenanteilen eine Manschette gebildet. Diese wird um den untersten Anteil der Speiseröhre gelegt, verstärkt den Schließmuskel und soll so den Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre verhindern.
  • Eine paraösophageale Hernie kann schwere Komplikationen nach sich ziehen. Sie sollte besser operativ behandelt werden. Eine bewährte Therapiemaßnahme ist die sogenannte transabdominale Gastropexie. Bei dieser Operation bringt der Chirurg die verrutschten Magenanteile wieder vollständig in ihre ursprüngliche Lage und näht sie an den Strukturen des Bauchraumes fest, damit sie sich nicht mehr verschieben können.
  • Im Rahmen einer Hiatuseinengung (Hiatoplastik) näht der Chirurg die Zwerchfelllücke enger.

Je nach Zwerchfellbruch kommen konventionell offene (großer Bauchschnitt) oder minimal-invasive OP-Techniken, mit und ohne Netzeinlage, zum Einsatz. Hernien, die keine Beschwerden machen und bei denen das Risiko für Komplikationen gering ist, werden in der Regel nicht operiert.

Quellen:

Pschyrembel (2018). Hiatushernie. Verfügbar unter: https://www.pschyrembel.de (Abruf: 03.08.2020)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2020). Hernien. Verfügbar unter: https://www.gesundheitsinformation.de (Abruf: 03.08.2020)
Deximed Hausarztwissen Online (2019). Zwerchfellhernie (Hiatushernie). Verfügbar unter: https://deximed.de (Abruf: 03.08.2020)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2018). Sodbrennen und Refluxkrankheit. Verfügbar unter: URL: https://www.gesundheitsinformation.de (Abruf: 03.08.2020)
Gastro-Liga (2017). Ratgeber Sodbrennen. Verfügbar unter: URL: https://www.gastro-liga.de (Abruf: 03.08.2020)

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